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Rallye-Events | Saison 2010

Ramonat: Brauche mich nicht zu verstecken!

Der Trusetaler Rallyefahrer Raphael Ramonat hatte in der aktuellen Saison häufiger Grund zur Freude als noch im Vorjahr.

Nach einer Rallyesaison voller Pech und mit zahlreichen technischen Defekten im Jahr 2009, konnte Raphael Ramonat in der aktuellen Saison wieder mit sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam machen. Auch neben der Strecke wird dem Trusetaler große Beachtung geschenkt. Für die einen ist er das „Enfant Terrible“ im nationalen Rallyesport, andere wiederrum sehen im ihm einem Rallyepilot mit großem Potential. Wie er seine Leistung in der aktuellen Saison selbst bewertet, fragten wir den Thüringer Rallyepiloten in einem Interview:

Raphael, das Fazit nach der vergangenen Saison 2009 fiel wenig positiv – dies dürfte sich im aktuellen Jahr geändert haben, oder?
Raphael Ramonat: So ist es. In der aktuellen Saison läuft es sehr gut. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren setzen wir uns nicht mehr unter Druck. Wir fahren nur dort wo es uns Spass macht. Somit verspüren wir auch kaum Druck von außen und offensichtlich tut uns das allen gut.

Siege in Grünhain, bei der Zwickauer Land, bei der Rallye Hünfeld und beim Rallye Race Gollert – was macht Raphael Ramonat 2010 zum Siegertyp?
Raphael Ramonat: Ich sitze in der aktuellen Saison überwiegend in einem Rallyeauto mit Allradantrieb. Damit komme ich deutlich besser zurecht. Letztendlich sind der Mitsubishi Evo VI in der H16 und vor allem dessen Beständigkeit die Schlüssel zum diesjährigen Erfolg. Zwar begeistert mich auch der Nissan, doch den Umgang damit muss ich noch ein wenig lernen, da fehlt mir noch der ein oder andere Übungskilometer.

Gibt es einen besonderen Moment in der Saison 2010?
Raphael Ramonat: Die Rallye Wartburg ist für mich schon aufgrund der regionalen Nähe immer etwas Besonderes. Die Prüfungen sind außerordentlich anspruchsvoll und unter den Zuschauern sind zahlreiche Sponsoren, Freude und Fans unseres Teams. Da ist man natürlich immer besonders motiviert. Nachdem ich das Ziel letztmalig im Jahr 2006 gesehen hatte, war ich mit dem 5. Gesamtplatz bei der 51. Auflage mehr als zufrieden. Leider haben bei uns im Laufe des zweiten Tages die Reifen zu stark nachgelassen, sonst wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen.

… und die Rallye Grünhain?
Raphael Ramonat: Natürlich ist die Rallye Grünhain in jeder Saison ein Highlight. Für mich ist die vom MC Grünhain organisierte Veranstaltung die beste und anspruchsvollste Rallye-200-Veranstaltung, an der wir 2010 teilgenommen haben. Dieses Mal war es ein besonders harter Kampf mit den Wetterbedingungen. Dass wir am Ende die Rallye bereits zum dritten Mal gewinnen konnten, macht uns natürlich sehr stolz.

Porsche 911, Subaru Impreza WRC, Subaru Impreza, Opel Corsa S1600, Ford Escort Cosworth – im letzten Jahr gab es recht viele Fahrzeuge in einer Saison. Bist Du jetzt ein Mitsubishi Evo-Fan geworden?
Raphael Ramonat: Mit dem Unternehmen „Rennsport Technik Ramonat“ ist zwangsläufig auch der Test bzw. das Einfahren unterschiedlicher Rallyefahrzeuge verbunden. Daher wird es auch zukünftig einen kontinuierlichen Wechsel der Fahrzeuge geben. Für mich ist dies kein Problem. Der Evo VI wird uns allerdings eine Zeit lang erhalten bleiben, da dieses Auto einem Familienmitglied gehört und daher nicht verkauft werden muss. Damit werde ich noch öfters auftauchen.

Du bist das Top-Thema im Forum der Rallye-Fans – was ist das Besondere an Dir?
Raphael Ramonat: Offensichtlich verursacht die große Anzahl von Autos mindestens ebenso viele Gedanken und Gerüchte. Jeder der uns kennt, weiß, wie hart wir für unseren Erfolg arbeiten. Daher sehe keinen Grund, warum wir uns verstecken sollten. In der Zwischenzeit kann ich über den Großteil der Kommentare lachen. Ich gebe aber auch zu, dass dies nicht immer so war.

Kannst Du die Aufregung rund um Ihren Boliden nach der Rallye Zwickauer Land verstehen?
Raphael Ramonat: Nein. Bei dem Mitsubishi Evo VII handelt es sich um ein ganz normales Gruppe N Auto mit Seriengetriebe. Eigentlich wollten wir im silbernen Evo VI starten, hatten uns aber kurzfristig entschieden den Evo VII unter Rallyebedingungen zu testen. Da ich mit den Stoßstangen nicht zurechtkomme, haben wir diese gegen eine Stoßstange des Evo IX ausgetauscht. Wir hatten also in der H16 genannt und danach – aufgrund des Fahrzeugwechsels – beim Veranstalter nachgefragt, ob eine Änderung der Nennung in CTC möglich ist. Jedoch ließ uns der Veranstalter in der H16 starten. Ich bin mir keiner Schuld bewusst, vielleicht hätte ich tatsächlich Auslegung des Reglements und Einstufung des Fahrzeugs beim DMSB nachfragen müssen. Letztendlich ist es egal, nun bleibt das Auto bis 2011 in der Garage und dann schauen wir weiter.

Mit Steffen Schmidt gab es zum Saisonstart einen neuen Copilot. Eigentlich wollten Sie doch mit Steffanie Bettin weiter arbeiten? War die Kommunikation nicht optimal?
Raphael Ramonat: Nein, die ursprüngliche Planung war so. Allerdings geht die Arbeit immer vor und dies ist auch der Grund warum es in dieser Saison nicht passt. Die Haßberg Rallye war dann auch der letzte Einsatz von meinem Stammbeifahrer David Krug. Bei ihm steht im Moment aus verständlichen Gründen der Nachwuchs an erster Stelle. Steffen Schmidt gehört schon seit vielen Jahren zu unserem Team und war nach dem Einsatz bei der Rallye „Rund um die Veste Coburg“ sofort mit die Rallyevirus infiziert. Die Zusammenarbeit klappt hervorragend.

2010 konntest Du aufgrund ihrer großen beruflichen Belastung nicht an Meisterschaften teilnehmen. Wird sich dies 2011 ändern?
Raphael Ramonat: Natürlich denkt man, wenn die Saison so erfolgreich verläuft wie 2010, wieder verstärkt an eine Meisterschaftsteilnahme. Ich habe aus dem Porsche-Desaster 2009 gelernt. Eine Einschreibung kommt nur in Frage, wenn ein ausreichend großes Budget vorhanden ist und zumindest auch kleinere Schäden verkraftet werden können.

Denkst Du dabei an eine DRM-Teilnahme?
Raphael Ramonat: Ja, wenn die Voraussetzungen stimmen würden, wäre eine DRM-Teilnahme für mich grundsätzlich vorstellbar.

Wie beurteilst Du die aktuelle Situation im deutschen Rallyesport?
Raphael Ramonat: Ich glaube, dass ein erfolgreicher Rallyesport von guten, interessanten und schnellen Autos lebt. Daher verstehe ich das WRC-Verbot in Deutschland bis heute nicht. Während die Zuschauer in anderen Ländern die Drift‘s solcher Boliden genießen können, wird den Fans in Deutschland dieser Spaß genommen. Natürlich ist es schön, wenn immer mehr S2000 in Meisterschaft mitfahren. Doch es bleibt dabei – mir fehlen die WRC! Wie viele Fans und Teilnehmer würde ich mir mittelfristig eine Dreiteilung Meisterschaft/Challenge/Rallye-200 wünschen.

Wer ist der beste Thüringer Rallyepilot 2010?
Raphael Ramonat: Das ist recht eindeutig. Olaf Dobberkau hat deutlich die Nase vorn.

Wer wird der beste Thüringer Rallyepilot 2011?
Raphael Ramonat: Das werden wir sehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Text: racefieber.de

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